Die Beichte gilt als die schwierigste Christenpflicht. Oft wird sie rundweg abgelehnt, für sinnlos oder überflüssig erklärt. Immerhin ist es ja so, dass man durch das Sakrament der Versöhnung zwar von allen früheren Sünden, die man eingestanden hat und bereut, losgesprochen wird, was allerdings noch lange nicht heißt, dass man nie wieder sündigen würde. Schließlich ist man Mensch, und Menschen machen Fehler, ständig.
Außerdem sei es doch peinlich, jemandem zu erzählen, was man ausgefressen hat. Das könne man mit dem Herrn doch genauso gut ganz alleine ausmachen, ohne sich vor einem anderen Menschen demütigen zu müssen. Die Beichte sei schlicht und einfach kalter Kaffee!
Kalter Kaffee? Gutes Bild! Denn mit der Beichte, dem Sakrament der Versöhnung verhält es sich genauso wie mit Kaffee. Spätestens wenn man sich eine frische Kanne Kaffee aufbrühen will, wird besagte Kanne geleert, gründlich ausgespült und vorgewärmt, ehe neuer Kaffee eingefüllt wird. Denn sonst würde sich immer wieder frischer heißer Kaffee mit abgestandenem kaltem mischen, wobei der Anteil des letzteren immer größer würde. Am Ende wüsste man gar nicht mehr, wie frischer Kaffee eigentlich schmeckt und hielte mangels Vergleichsmöglichkeit die fade, laue Brühe für den Gipfel des Genusses.
Und was das Gegenüber angeht: Das Beichtgeheimnis gilt - allen juristischen Bemühungen, es zu zerstören, zum Trotz! - absolut. Selbstverständlich ist es eine Frage des Vertrauens - und eine Frage des Mutes, zu seinen Schwierigkeiten und Fehlern zu stehen und gegenüber einem Menschen, der Christi Stelle vertritt, selbige einzuräumen. Es mag leichter erscheinen, das mit sich selbst und einem Jesusbildchen auszumachen - aber wie leicht belügt man sich dabei, mogelt, beschönigt, spielt Arges herunter oder bläht Unwichtiges auf? Der Priester ist auch ein Korrektiv. Seine Gegenwart verhindert, dass die Reflexion über die eigenen Fehler zwischen Eingeständnis, Erklärungen, Entschuldigungen und Selbstbezichtigungen irregeht. Ebenso wie der geschützte Raum (sei es Beichtstuhl, sei es Beichtzimmer), die brennende Kerze, die Stola, die vertrauten Gesten, die in ihrer Kombination auch Vertrauen schaffen.
Letztendlich schmeckt nur wirklich frischer heißer Kaffee aus einer sauberen, vorgewärmten Kanne richtig gut!
Dienstag, 3. April 2012
Dienstag, 7. Februar 2012
Ökumene im Geist des 2. Vaticanums
Die Forderungen, wie „echte“ Ökumene auszusehen habe, sind mannigfaltig. Dabei will ich mich heute nicht mit den Forderungen und Erwartungen beschäftigen, die von unseren evangelischen Brüdern und Schwestern kommen. Mich interessieren mehr unsere katholischen Mitgläubigen. Oft höre ich von ihnen, dass wir rascher in der Ökumene vorankämen, wenn der „Geist des 2. Vaticanums“ endlich mit Leben gefüllt würde. Grund genug für mich, einmal nachzublättern, von welchem Geist wir da eigentlich sprechen.
Unter dem Titel UNITATIS REDINTEGRATIO hat das 2. Vatikanische Konzil ein eigenes Dekret zum Thema „Ökumenismus“, wie es dort heißt, verfasst. Und dieses Dekret beginnt verheißungsvoll: „Die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen ist eine der Hauptaufgaben des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils.“
Der Einstieg zeugt also davon, welche große Bedeutung das 2. Vaticanum der Ökumene schenkt. Wer aber nun glaubt, dass anschließend alle Mauern eingerissen und der Gleichmacherei Tür und Tor geöffnet würden, muss rasch erkennen, dass dem nicht so ist.
Im Dekret wird ausführlich dargelegt, welches „Die katholischen Prinzipien des Ökumenismus“ sind.
Das Dekret lässt keinen Zweifel, dass es nach Auffassung der katholischen Kirche Christi Wille sei, dass die Bischöfe die Nachfolger der Apostel und die Päpste die Nachfolger des Petrus sind. „Jesus Christus will, daß sein Volk durch die gläubige Predigt des Evangeliums und die Verwaltung der Sakramente durch die Apostel und durch ihre Nachfolger, die Bischöfe mit dem Nachfolger Petri als Haupt, sowie durch ihre Leitung in Liebe unter der Wirksamkeit des Heiligen Geistes wachse …“ heißt es in dem Text.
Das Dekret bestreitet nicht, dass es bei den Trennungen der Kirchen Schuld auf allen Seiten gab und es betont die Schmerzhaftigkeit der Trennung. Es erweist den Getrennten auch die Ehre und weist daraufhin, dass sie zu Recht den „Ehrennamen Christen“ tragen können und fordert auf, sie als „Brüder im Herrn“ anzuerkennen.
Das bedeutet aber keinesfalls, dass damit die abweichenden Lehren als gleichberechtigt anerkannt würden. Zwar wird das ehrenhafte Streben nach der christlichen Wahrheit anerkannt, aber dennoch wird unmissverständlich ausgedrückt, dass allein die katholische Kirche im Besitz der „Güter des Neuen Bundes“ sei. So heißt es: „Denn einzig dem Apostelkollegium, an dessen Spitze Petrus steht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren, welchem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören“.
Das bedeutet nicht nur, dass das 2. Vaticanum die Überzeugung zum Ausdruck gebracht hat, dass allein der katholischen Kirche „alle Güter des Neuen Bundes anvertraut“ worden sind, sondern dass das Ziel der Ökumene aus katholischer Sicht sein muss, alle Abgespalteten wieder in die katholische Kirche einzugliedern. Dies stellt eine Forderung dar, für die jeder heute als erzkonservativ bezeichnet würde, insbesondere von denen, die immer wieder den „Geist des 2. Vaticanums“ einfordern. Aber das 2. Vaticanum war eine Versammlung ernsthafter um das Wohl der Kirche besorgter Theologen, die sehr intensiv darüber nachgedacht haben, was sie als Willen Christi ansehen.
Im Weiteren wird u.a. ausgeführt, dass die Ostkirchen nur geringe Abweichungen aufwiesen, zumal sie ebenfalls „wahre Sakramente besitzen“. Es wird sogar darauf verwiesen, dass die römisch-katholische Kirche manches aus den Ostkirchen als Bereicherung ansehen könnte.
Die Ökumene mit den protestantischen Abspaltungen aber wird wesentlich kritischer betrachtet. So heißt es: „Dabei muß jedoch anerkannt werden, daß es zwischen diesen Kirchen und Gemeinschaften und der katholischen Kirche Unterschiede von großem Gewicht gibt, nicht nur in historischer, soziologischer, psychologischer und kultureller Beziehung, sondern vor allem in der Interpretation der offenbarten Wahrheit.“
Selbstverständlich wird auch den Protestanten der Wille zu einem Leben in christlicher Tugend zugesprochen, aber der Mangel an Sakramenten und insbesondere die Ablehnung der Nachfolge der Apostel und Petri werden als große Diskrepanz gesehen.
Dennoch mahnt das Dekret zu fortwährenden Bemühungen um die Ökumene, es gibt aber auch klare Richtlinien vor: „Das Heilige Konzil mahnt die Gläubigen, jede Leichtfertigkeit wie auch jeden unklugen Eifer zu meiden, die dem wahren Fortschritt der Einheit nur schaden können, Ihre ökumenische Betätigung muß ganz und echt katholisch sein, das heißt in Treue zur Wahrheit, die wir von den Aposteln und den Vätern empfangen haben, und in Übereinstimmung mit dem Glauben, den die katholische Kirche immer bekannt hat.“
Diese Ausführungen lassen für den Reform(un)geist unserer Tage keinen Raum und geradezu absurd wird es, wenn sich die Reformer auf den „Geist des 2. Vaticanums“ berufen, denn dieser Geist ist kompromisslos katholisch.
Unter dem Titel UNITATIS REDINTEGRATIO hat das 2. Vatikanische Konzil ein eigenes Dekret zum Thema „Ökumenismus“, wie es dort heißt, verfasst. Und dieses Dekret beginnt verheißungsvoll: „Die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen ist eine der Hauptaufgaben des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils.“
Der Einstieg zeugt also davon, welche große Bedeutung das 2. Vaticanum der Ökumene schenkt. Wer aber nun glaubt, dass anschließend alle Mauern eingerissen und der Gleichmacherei Tür und Tor geöffnet würden, muss rasch erkennen, dass dem nicht so ist.
Im Dekret wird ausführlich dargelegt, welches „Die katholischen Prinzipien des Ökumenismus“ sind.
Das Dekret lässt keinen Zweifel, dass es nach Auffassung der katholischen Kirche Christi Wille sei, dass die Bischöfe die Nachfolger der Apostel und die Päpste die Nachfolger des Petrus sind. „Jesus Christus will, daß sein Volk durch die gläubige Predigt des Evangeliums und die Verwaltung der Sakramente durch die Apostel und durch ihre Nachfolger, die Bischöfe mit dem Nachfolger Petri als Haupt, sowie durch ihre Leitung in Liebe unter der Wirksamkeit des Heiligen Geistes wachse …“ heißt es in dem Text.
Das Dekret bestreitet nicht, dass es bei den Trennungen der Kirchen Schuld auf allen Seiten gab und es betont die Schmerzhaftigkeit der Trennung. Es erweist den Getrennten auch die Ehre und weist daraufhin, dass sie zu Recht den „Ehrennamen Christen“ tragen können und fordert auf, sie als „Brüder im Herrn“ anzuerkennen.
Das bedeutet aber keinesfalls, dass damit die abweichenden Lehren als gleichberechtigt anerkannt würden. Zwar wird das ehrenhafte Streben nach der christlichen Wahrheit anerkannt, aber dennoch wird unmissverständlich ausgedrückt, dass allein die katholische Kirche im Besitz der „Güter des Neuen Bundes“ sei. So heißt es: „Denn einzig dem Apostelkollegium, an dessen Spitze Petrus steht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren, welchem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören“.
Das bedeutet nicht nur, dass das 2. Vaticanum die Überzeugung zum Ausdruck gebracht hat, dass allein der katholischen Kirche „alle Güter des Neuen Bundes anvertraut“ worden sind, sondern dass das Ziel der Ökumene aus katholischer Sicht sein muss, alle Abgespalteten wieder in die katholische Kirche einzugliedern. Dies stellt eine Forderung dar, für die jeder heute als erzkonservativ bezeichnet würde, insbesondere von denen, die immer wieder den „Geist des 2. Vaticanums“ einfordern. Aber das 2. Vaticanum war eine Versammlung ernsthafter um das Wohl der Kirche besorgter Theologen, die sehr intensiv darüber nachgedacht haben, was sie als Willen Christi ansehen.
Im Weiteren wird u.a. ausgeführt, dass die Ostkirchen nur geringe Abweichungen aufwiesen, zumal sie ebenfalls „wahre Sakramente besitzen“. Es wird sogar darauf verwiesen, dass die römisch-katholische Kirche manches aus den Ostkirchen als Bereicherung ansehen könnte.
Die Ökumene mit den protestantischen Abspaltungen aber wird wesentlich kritischer betrachtet. So heißt es: „Dabei muß jedoch anerkannt werden, daß es zwischen diesen Kirchen und Gemeinschaften und der katholischen Kirche Unterschiede von großem Gewicht gibt, nicht nur in historischer, soziologischer, psychologischer und kultureller Beziehung, sondern vor allem in der Interpretation der offenbarten Wahrheit.“
Selbstverständlich wird auch den Protestanten der Wille zu einem Leben in christlicher Tugend zugesprochen, aber der Mangel an Sakramenten und insbesondere die Ablehnung der Nachfolge der Apostel und Petri werden als große Diskrepanz gesehen.
Dennoch mahnt das Dekret zu fortwährenden Bemühungen um die Ökumene, es gibt aber auch klare Richtlinien vor: „Das Heilige Konzil mahnt die Gläubigen, jede Leichtfertigkeit wie auch jeden unklugen Eifer zu meiden, die dem wahren Fortschritt der Einheit nur schaden können, Ihre ökumenische Betätigung muß ganz und echt katholisch sein, das heißt in Treue zur Wahrheit, die wir von den Aposteln und den Vätern empfangen haben, und in Übereinstimmung mit dem Glauben, den die katholische Kirche immer bekannt hat.“
Diese Ausführungen lassen für den Reform(un)geist unserer Tage keinen Raum und geradezu absurd wird es, wenn sich die Reformer auf den „Geist des 2. Vaticanums“ berufen, denn dieser Geist ist kompromisslos katholisch.
Freitag, 13. Januar 2012
Nicht zeitgemäß
„Nicht zeitgemäß.“ Diese Aussage trifft die katholische Kirche stets als Vorwurf, als Kritik für angebliche Reformunfähigkeit, als Warnung davor, die Zeichen der Zeit nicht zu erkennen, gesellschaftliche Entwicklungen zu ignorieren und die Anpassung an moderne Strömungen zu verpassen. Und dieser Vorwurf kommt bei weitem nicht nur von außen, sondern - besonders in Deutschland - häufig aus Kreisen der Kirchenmitglieder selbst.
„Nicht zeitgemäß.“ Sollte man - ehe man diesen Vorwurf formuliert – nicht doch einmal nachdenken, was eigentlich Aufgabe der Kirche ist? Was ist ihr innerstes Anliegen, ihr zentrales Thema?
„Nicht zeitgemäß.“ Die Botschaft der Kirche ist von ihrem eigenen Verständnis her nicht irgendeine These, sondern die Wahrheit selbst. Ja, Wahrheit ist ebenfalls ein nicht zeitgemäßer Begriff, denn Wahrheit ist nicht relativ, sondern absolut. Aufgabe der Kirche ist es, diese Wahrheit zu transportieren – über Ländergrenzen hinweg und durch die Jahrhunderte. Es gibt aber in Asien keine andere Wahrheit als in Europa, in Amerika keine andere Wahrheit als in Afrika. Und es gibt im 21. Jahrhundert keine andere Wahrheit als im 18. Jahrhundert, im 12. oder im 8. Jahrhundert und schon gar nicht gibt es eine spezielle Wahrheit im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Kulturen mögen sich unterscheiden und entwickeln, Lebensumstände auch, aber göttliche Wahrheit bleibt Wahrheit.
„Nicht zeitgemäß.“ Ja, richtig, Kirche kann und darf gar nicht zeitgemäß sein, weil jede Form der Anpassung der Botschaft an das Zeitgemäße eine Verzerrung, eine Verfälschung und eine Verwässerung der Wahrheit wäre. Nicht umsonst hat Jesus die Kirche auf Petrus, den Felsen, gebaut, weil die Kirche Fels in der Brandung der Wandlungen des Zeitgemäßen sein muss.
„Nicht zeitgemäß.“ Ja, denn richtig verstanden ist diese Äußerung –selbst wenn als Vorwurf vorgebracht – ein großes Lob!
Und bedenken wir eins: Das Ziel der Botschaft ist die Ewigkeit. Und was auf Zeitlosigkeit abzielt, kann niemals zeitgemäß sein.
„Nicht zeitgemäß.“ Sollte man - ehe man diesen Vorwurf formuliert – nicht doch einmal nachdenken, was eigentlich Aufgabe der Kirche ist? Was ist ihr innerstes Anliegen, ihr zentrales Thema?
„Nicht zeitgemäß.“ Die Botschaft der Kirche ist von ihrem eigenen Verständnis her nicht irgendeine These, sondern die Wahrheit selbst. Ja, Wahrheit ist ebenfalls ein nicht zeitgemäßer Begriff, denn Wahrheit ist nicht relativ, sondern absolut. Aufgabe der Kirche ist es, diese Wahrheit zu transportieren – über Ländergrenzen hinweg und durch die Jahrhunderte. Es gibt aber in Asien keine andere Wahrheit als in Europa, in Amerika keine andere Wahrheit als in Afrika. Und es gibt im 21. Jahrhundert keine andere Wahrheit als im 18. Jahrhundert, im 12. oder im 8. Jahrhundert und schon gar nicht gibt es eine spezielle Wahrheit im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Kulturen mögen sich unterscheiden und entwickeln, Lebensumstände auch, aber göttliche Wahrheit bleibt Wahrheit.
„Nicht zeitgemäß.“ Ja, richtig, Kirche kann und darf gar nicht zeitgemäß sein, weil jede Form der Anpassung der Botschaft an das Zeitgemäße eine Verzerrung, eine Verfälschung und eine Verwässerung der Wahrheit wäre. Nicht umsonst hat Jesus die Kirche auf Petrus, den Felsen, gebaut, weil die Kirche Fels in der Brandung der Wandlungen des Zeitgemäßen sein muss.
„Nicht zeitgemäß.“ Ja, denn richtig verstanden ist diese Äußerung –selbst wenn als Vorwurf vorgebracht – ein großes Lob!
Und bedenken wir eins: Das Ziel der Botschaft ist die Ewigkeit. Und was auf Zeitlosigkeit abzielt, kann niemals zeitgemäß sein.
Samstag, 24. Dezember 2011
Sonntag, 13. November 2011
Demut - Dankbarkeit - Verantwortung
Das heutige Evangelium bringt uns das Gleichnis von den Talenten. Drei Diener erhalten von ihrem Herrn bei dessen Abreise unterschiedliche Geldbeträge. Zwei von den drei Dienern vermehren das ihnen anvertraute Geld, während es der Dritte vergräbt, aus Angst es zu verlieren. Als der Herr nach Hause kommt, lobt er die beiden Ersten, während er den Dritten verstößt.
Das Gleichnis zeigt uns auf, wie wichtig und unverzichtbar es ist, neben Demut und Dankbarkeit die Bereitschaft zu haben, die Verantwortung für seine "Talente" zu übernehmen.
Jeden Christen sollte es leicht fallen demütig anzuerkennen, dass wir nicht die Herren über unser Leben sind, dass Gott in seiner Weisheit besser weiß, was gut für uns ist als wir selbst. Sehr gut erfahrbar ist auch für jeden die Kraft der Dankbarkeit, die daraus erwächst, Gott für unsere Gaben, unsere Lebensumstände, unsere Freunde, unsere Familie, die Gesundheit, den Beruf zu danken. Diese Dankbarkeit vermittelt jedem das Gefühl es gut zu haben und glücklich zu sein.
Bestand haben aber kann die Kraft die aus der Dankbarkeit erwächst nur dann, wenn wir uns auch der Verantwortung stellen, die unsere Gaben, unsere Lebensumstände, unsere Freunde, unsere Familien, die Gesundheit und der Beruf mit sich bringen.
Um diese Verantwortung tragen zu können, gilt es, sich Fragen zu stellen, wie: "Wieso hat Gott mir diese Gaben gegeben? Was will er, dass ich damit mache? Wie kann ich Gott in meinem Beruf am besten dienen? Was kann ich für meine Familie tun, um mich für das Geschenk, eine Familie zu haben, erkenntlich zu zeigen? usw."
Und wenn wir die Antworten auf diese Fragen finden, kann es sein, dass wir davor erschrecken, weil diese Antworten erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen, weil sie uns möglicherweise dazu zwingen, etwas in unserem Leben zu ändern, weil wir vielleicht gezwungen werden, aus der Komfortzone herauszutreten und aktiv zu handeln.
Wenn wir uns diese Fragen aber nicht stellen, oder wenn wir die Antworten ignorieren, dann sind wir dem Diener gleich, der sein Geld vergräbt und der am Ende verstoßen wird.
Also lasst uns unsere Talente mehren und dem Reich Gottes dienen!
Das Gleichnis zeigt uns auf, wie wichtig und unverzichtbar es ist, neben Demut und Dankbarkeit die Bereitschaft zu haben, die Verantwortung für seine "Talente" zu übernehmen.
Jeden Christen sollte es leicht fallen demütig anzuerkennen, dass wir nicht die Herren über unser Leben sind, dass Gott in seiner Weisheit besser weiß, was gut für uns ist als wir selbst. Sehr gut erfahrbar ist auch für jeden die Kraft der Dankbarkeit, die daraus erwächst, Gott für unsere Gaben, unsere Lebensumstände, unsere Freunde, unsere Familie, die Gesundheit, den Beruf zu danken. Diese Dankbarkeit vermittelt jedem das Gefühl es gut zu haben und glücklich zu sein.
Bestand haben aber kann die Kraft die aus der Dankbarkeit erwächst nur dann, wenn wir uns auch der Verantwortung stellen, die unsere Gaben, unsere Lebensumstände, unsere Freunde, unsere Familien, die Gesundheit und der Beruf mit sich bringen.
Um diese Verantwortung tragen zu können, gilt es, sich Fragen zu stellen, wie: "Wieso hat Gott mir diese Gaben gegeben? Was will er, dass ich damit mache? Wie kann ich Gott in meinem Beruf am besten dienen? Was kann ich für meine Familie tun, um mich für das Geschenk, eine Familie zu haben, erkenntlich zu zeigen? usw."
Und wenn wir die Antworten auf diese Fragen finden, kann es sein, dass wir davor erschrecken, weil diese Antworten erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen, weil sie uns möglicherweise dazu zwingen, etwas in unserem Leben zu ändern, weil wir vielleicht gezwungen werden, aus der Komfortzone herauszutreten und aktiv zu handeln.
Wenn wir uns diese Fragen aber nicht stellen, oder wenn wir die Antworten ignorieren, dann sind wir dem Diener gleich, der sein Geld vergräbt und der am Ende verstoßen wird.
Also lasst uns unsere Talente mehren und dem Reich Gottes dienen!
Donnerstag, 22. September 2011
»Der Mensch macht sich nicht selbst.«
»Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muß und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.«
(Benedikt XVI. am 22. 9. 2011 vor dem Deutschen Bundestag => Vollständiger Text)
(Benedikt XVI. am 22. 9. 2011 vor dem Deutschen Bundestag => Vollständiger Text)
Dienstag, 20. September 2011
Herzlich willkommen, Heiliger Vater!
Das in Berlin ansässige Institut St. Philipp Neri hat Menschen aus der Stadt gebeten, den Papst willkommen zu heißen. Es gibt nämlich längst nicht nur die grelle Feindseligkeit, die aus allen Kanälen zu dröhnen scheint ...
Drohbotschaft
Es ist schon erstaunlich, welches enorme Drohpotenzial dieser bedeutungslose Greis mit der brüchigen Stimme zu haben scheint, dass die offene Gesellschaft sich so vehement, so entschlossen und so laut gegen ihn verwahren muss.
Der deutsche Bundestag, mithin die frei und demokratisch gewählte Versammlung der Vertreter dieser offenen Gesellschaft, hätte sich über die Frage, ob der oberste Repräsentant der katholischen Kirche und zugleich des Zwergstaats namens Vatikan, beinahe heillos zerstritten - während eine Rede des Dalai Lama, der ebenfalls der oberste Repräsentant einer Ausrichtung des Buddhismus und zugleich der Exilregierung von Tibet ist, keinerlei Streitereien verursachte, obwohl beide Religionen sich z.B. in der Ablehnung freizügiger Sexualität und praktizierter Homosexualität nahestehen und beide obersten Repräsentanten Titel wie "Heiligkeit" oder "Heiliger Vater" tragen.
Glaubt man den wiederholt zitierten und als repräsentativ ausgezeichneten Umfragen, dann befürwortet immerhin eine knappe absolute Mehrheit der Deutschen - ganz gleich, welcher Weltanschauung - die Rede des Papstes im Bundestag.
Die Massenmedien hingegen übertreffen einander in Negativschlagzeilen. Da wird mit dem "Unfehlbaren" getitelt, der die katholische Kirche ins gesellschaftliche Abseits manövriere, weil er deren Lehre nicht modernen (deutschen) Vorstellungen angleiche. Da wird neben dem gebetsmühlenartigen Wiederholen von Meldungen aus dem beliebten Genre "Die Kirche und der Sex" Kungelei mit dem DDR-Regime kolportiert. Die üblichen Reformgranden dürfen auftreten, und derlei Thesen wortreich untermauern. Undsoweiterundsofort.
Bemerkenswert daran ist, dass diese Endloswiederholungen nicht längst langweilig geworden sind. Im Fernsehprogramm werden Wiederholungen als Ideenlosigkeit angeprangert - wenn's um die "RKK" geht, können Meldungen, die ihr Verfallsdatum längst überschritten haben, gar nicht oft genug wieder aufs Programm gesetzt werden. Schließlich weigert sich die menschenverachtende, weil sexual- und deshalb frauenfeindliche bzw. frauen- und deshalb sexualfeindliche Gerontokratie im Vatikan, die philanthropen Segnungen von Feminismus, Gender-Mainstreaming, Fristenregelung und Reproduktionsmedizin anzubeten.
Dieser Altersstarrsinn scheint eine gefährliche Sprengkraft für genau diese Segnungen zu besitzen, gemessen an der Vehemenz, mit der die medialen und medienerprobten selbsternannten Repräsentanten der offenen Gesellschaft den obersten Repräsentanten der katholischen Kirche verbal und medial bekämpft. Die Gefährlichkeit zeigt sich allein schon daran, dass 51 % der Deutschen den Auftritt des Papstes vor ihren frei und demokratisch gewählten Repräsentanten und -onkels im Bundestag billigen. Denn das muss ja bedeuten, dass 51 % die menschenverachtende, weil sexual- und deshalb frauenfeindliche bzw. frauen- und deshalb sexualfeindliche Gerontokratie im Vatikan billigen und durch diese ihre Billigung die philanthropen Segnungen von Feminismus, Gender-Mainstreaming, Fristenregelung und Reproduktionsmedizin möglicherweise sogar ablehnen und damit die offene Gesellschaft bedrohen!
Und das ist natürlich eine brandgefährliche Situation für Deutschland - ganz klar!
Der deutsche Bundestag, mithin die frei und demokratisch gewählte Versammlung der Vertreter dieser offenen Gesellschaft, hätte sich über die Frage, ob der oberste Repräsentant der katholischen Kirche und zugleich des Zwergstaats namens Vatikan, beinahe heillos zerstritten - während eine Rede des Dalai Lama, der ebenfalls der oberste Repräsentant einer Ausrichtung des Buddhismus und zugleich der Exilregierung von Tibet ist, keinerlei Streitereien verursachte, obwohl beide Religionen sich z.B. in der Ablehnung freizügiger Sexualität und praktizierter Homosexualität nahestehen und beide obersten Repräsentanten Titel wie "Heiligkeit" oder "Heiliger Vater" tragen.
Glaubt man den wiederholt zitierten und als repräsentativ ausgezeichneten Umfragen, dann befürwortet immerhin eine knappe absolute Mehrheit der Deutschen - ganz gleich, welcher Weltanschauung - die Rede des Papstes im Bundestag.
Die Massenmedien hingegen übertreffen einander in Negativschlagzeilen. Da wird mit dem "
Bemerkenswert daran ist, dass diese Endloswiederholungen nicht längst langweilig geworden sind. Im Fernsehprogramm werden Wiederholungen als Ideenlosigkeit angeprangert - wenn's um die "RKK" geht, können Meldungen, die ihr Verfallsdatum längst überschritten haben, gar nicht oft genug wieder aufs Programm gesetzt werden. Schließlich weigert sich die menschenverachtende, weil sexual- und deshalb frauenfeindliche bzw. frauen- und deshalb sexualfeindliche Gerontokratie im Vatikan, die philanthropen Segnungen von Feminismus, Gender-Mainstreaming, Fristenregelung und Reproduktionsmedizin anzubeten.
Dieser Altersstarrsinn scheint eine gefährliche Sprengkraft für genau diese Segnungen zu besitzen, gemessen an der Vehemenz, mit der die medialen und medienerprobten selbsternannten Repräsentanten der offenen Gesellschaft den obersten Repräsentanten der katholischen Kirche verbal und medial bekämpft. Die Gefährlichkeit zeigt sich allein schon daran, dass 51 % der Deutschen den Auftritt des Papstes vor ihren frei und demokratisch gewählten Repräsentanten und -onkels im Bundestag billigen. Denn das muss ja bedeuten, dass 51 % die menschenverachtende, weil sexual- und deshalb frauenfeindliche bzw. frauen- und deshalb sexualfeindliche Gerontokratie im Vatikan billigen und durch diese ihre Billigung die philanthropen Segnungen von Feminismus, Gender-Mainstreaming, Fristenregelung und Reproduktionsmedizin möglicherweise sogar ablehnen und damit die offene Gesellschaft bedrohen!
Und das ist natürlich eine brandgefährliche Situation für Deutschland - ganz klar!
Sonntag, 18. September 2011
Auf Augenhöhe
Meine aktuelle Lektüre zur Vorbereitung auf einen Firmkurs für Erwachsene, den ich anbieten darf, ist das Sachbuch Was ist katholisch? von Valentino Hribernig-Körber (Kösel-Verlag, München 2008). Es bietet einen reich bebilderten Überblick, ohne in die Tiefe zu gehen - aber das muss ja nicht jedes Buch leisten.
Im Vorwort, das von Paul Michael Zulehner las ich folgendes:
»Wir sind Weltbürgerinnen und -bürger geworden, die unweigerlich auf vielfältige religiöse Traditionen stoßen, auf fremdartige Angebote, die leicht zum Spiegel werden können für die eigene Tradition. Es kommt zur Begegnung der Religionen, nicht zuletzt auch dadurch, dass Wanderbewegungen uns Angehörige fremder Religionen vors Haus geführt haben. So trifft etwa nicht nur in den großen Städten ein glaubensstarker Islam auf ein glaubensschwaches Christentum. Das ist für viele, auch weniger christliche Menschen, zunehmend ein angstbesetzter Vorgang. Das Problem dabei ist aber nicht der glaubenskundige Islam, sondern das geschwächte und seiner selbst nicht sichere Christentum.«
Eine meiner besten Freundinnen ist Muslima, eine glaubensstarke und -kundige dazu. Von ihr lerne ich viel über meinen eigenen Glauben, indem ich ihn diskutiere, erläutere und gelegentlich auch rechtfertige, und es stärkt mich auch in meinem Glauben, indem ich ihn reflektiere und aus einer anderen Perspektive betrachte.
Erlebnisse wie einen gemeinsamen Besuch des Kölner Domes bleiben mir nachhaltig im Gedächtnis.
Im Vorwort, das von Paul Michael Zulehner las ich folgendes:
»Wir sind Weltbürgerinnen und -bürger geworden, die unweigerlich auf vielfältige religiöse Traditionen stoßen, auf fremdartige Angebote, die leicht zum Spiegel werden können für die eigene Tradition. Es kommt zur Begegnung der Religionen, nicht zuletzt auch dadurch, dass Wanderbewegungen uns Angehörige fremder Religionen vors Haus geführt haben. So trifft etwa nicht nur in den großen Städten ein glaubensstarker Islam auf ein glaubensschwaches Christentum. Das ist für viele, auch weniger christliche Menschen, zunehmend ein angstbesetzter Vorgang. Das Problem dabei ist aber nicht der glaubenskundige Islam, sondern das geschwächte und seiner selbst nicht sichere Christentum.«
Eine meiner besten Freundinnen ist Muslima, eine glaubensstarke und -kundige dazu. Von ihr lerne ich viel über meinen eigenen Glauben, indem ich ihn diskutiere, erläutere und gelegentlich auch rechtfertige, und es stärkt mich auch in meinem Glauben, indem ich ihn reflektiere und aus einer anderen Perspektive betrachte.
Erlebnisse wie einen gemeinsamen Besuch des Kölner Domes bleiben mir nachhaltig im Gedächtnis.
Mittwoch, 6. April 2011
Was vom Herrn übrig bleibt ...
Vor einem Monat bot die Frankfurter Rundschau Gerd Lüdemann, Professor für Geschichte und Literatur des frühen Christentums an der Universität Göttingen, Gelegenheit, den zweiten Band der Jesus-Biographie von Papst Benedikt zu besprechen.
Das Ergebnis war so vorhersehbar wie langweilig. Der Herr Lüdemann, der 1998 mit seiner historisch-kritischen Generalabrechnung Der große Betrug Furore machte, darf selbstverständlich kein gutes Haar an einem Buch lassen, das seiner eigenen Position widerspricht.
Denn schließlich definiert der Herr Lüdemann sich durch den Widerspruch: Obwohl er sich seit 1998 als "Nicht-mehr-Christ" bezeichnet, beharrt er darauf, dass der von ihm gehaltene Lehrstuhl der evangelisch-theologischen Fakultät der Uni Göttingen zugerechnet werden müsse, denn:
(aus: Lüdemann, Gerd: Im Würgegriff der Kirche. Verlag zu Klampen, Springe 1998)
Das äußert er in der felsenfesten Überzeugung, es könne "nur eine Wissenschaft geben [...], die sich mit Religionen der Vergangenheit und Gegenwart beschäftigt" (ibid.). Sein Mitstreiter in Sachen Aufklärung, Michael Schmidt-Salomon (Giordano-Bruno-Stiftung), klärt auf:
(aus: Schmidt-Salomon, Michael: Kirche und Kritik II: Der Fall Lüdemann, in: Materialien und Informationen zur Zeit, 2/2000)
Lüdemann selbst begründet sein Beharren damit, dass es nicht von Nachteil sei, wenn ein Nicht-mehr-Christ an einer konfessionellen theologischen Fakultät unterrichte, denn:
(aus: Im Würgegriff, a.a.O.)
Die akademische Posse wurde 2008 vom ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts beendet. Der Herr Lüdemann ist zwar Professor geblieben, aber aufgrund seines Sonderstatus' seither der Möglichkeit beraubt, angehenden Pastoren und Religionslehrern durch seine objektiven Erkenntnisse zu einer Neuorientierung zu verhelfen.
Das hält den Herrn Lüdemann allerdings nicht davon ab, sein ganzes Gewicht in die Waagschale zu werfen, sobald sich die Gelegenheit bietet. Sowohl Band I der besagten Jesus-Biographie, die Papst Benedikt ganz bewusst unter seinem bürgerlichen Namen Joseph Ratzinger veröffentlicht hat, als auch den kürzlich erschienenen zweite Band spannte der Herr Lüdemann auf seinen Seziertisch, um mit den Mitteln seiner absolut objektiven und höchst wissenschaftlichen Methodik eine Autopsie vorzunehmen. Eine Methodik, über die Rudolf Walther, selbst kein Freund des Papsttums, in einem anderen Zusammenhang (nämlich dem Medienrummel um die Piusbruderschaft) schrieb:
In der Frage, ob man "die Bibel wie eine historische Quelle [...] und nicht wie eine durch und durch vom Glauben geprägte Sammlung von Geschichten, Legenden und Gleichnissen" lesen dürfe oder nicht, werden Rudolf Walther und ich wohl nicht zusammenkommen; denn streng genommen sind alle historischen Quellen von der jeweiligen subjektiven Weltsicht ihrer Verfasser geprägt und somit gibt es keine einzige "echte" (d.h. objektive) historische Quelle, sondern nur historische Quellen mit graduellen Unterschieden in der subjektiven Färbung durch den Autor, die man durch eine systematische hermeneutisch-kritische Betrachtung (unter Berücksichtigung des eigenen historisch bedingten Standpunkts!!!) zumindest bis zu einem gewissen Grad herausarbeiten kann.
Auf den Herrn Lüdemann übertragen heißt das: Der Mann hat die historisch-kritische Methode ad absurdum geführt, indem er seinen eigenen Standpunkt quasi aus eigener Vollmacht als absolut und objektiv setzte. Das allerdings ist zutiefst unwissenschaftlich und entlarvt die für diesen eigenen Standpunkt behauptete "kritisch-wissenschaftliche Unvoreingenommenheit" als exakt jene intellektuelle Grobschlächtigkeit, die Rudolf Walther diagnostizierte.
Der Herr Lüdemann mag wettern, was er will - mehr als die ständige Wiederholung ewig gleichlautender Phrasen kommt dabei nicht herum: dass Jesus, ein rein jüdisch-politischer Messias, gescheitert und am Kreuz gestorben sei, hätten seine Jünger nicht ertragen und somit die Auferstehung halluziniert; Paulus habe aufgrund weiterer Halluzinationen das Christentum erfunden; die Evangelien seien immer wieder den Bedürfnissen des Kirchenapparates angepasste, d.h. gefälschte Versionen früherer, mündlich überlieferter Berichte; die Hälfte der Briefe seien ebenfalls Fälschungen, das ganze Christentum demzufolge nichts als ein "großer Betrug".
Prägnant dazu erwiderte der Herr Lüdemann in einem in der Heiligabendausgabe 2009 erschienenen Interview in der Jungen Welt auf die Frage, ob die Bibel im wesentlichen eine Lügengeschichte sei:
(aus: "Das Wort Lüge ist für die Bibel durchaus angemessen", in: Junge Welt vom 24. 12. 2009, S. 8)
Die vollmundig mit den Worten Benedikts Jesus hat es nie gegeben betitelte Glosse (Frankfurter Rundschau vom 9. 3. 2011) ist ebenso wie ihre Vorgängerin (Eine peinliche Entgleisung, Spiegel online am 26. 4.2007) kaum mehr als eine wiederaufbereitete Kurzversion seines eigenen Buches Das Jesusbild des Papstes.
Eigentlich hat der Herr Lüdemann sich schon mit dem ersten Halbsatz (Hervorhebung von mir) seiner "Buchbesprechung" diese und zugleich sich selbst desavouiert:
Das Ergebnis war so vorhersehbar wie langweilig. Der Herr Lüdemann, der 1998 mit seiner historisch-kritischen Generalabrechnung Der große Betrug Furore machte, darf selbstverständlich kein gutes Haar an einem Buch lassen, das seiner eigenen Position widerspricht.
Denn schließlich definiert der Herr Lüdemann sich durch den Widerspruch: Obwohl er sich seit 1998 als "Nicht-mehr-Christ" bezeichnet, beharrt er darauf, dass der von ihm gehaltene Lehrstuhl der evangelisch-theologischen Fakultät der Uni Göttingen zugerechnet werden müsse, denn:
Solange Theologie an der Universität
bleibt, hat sie gefälligst zu forschen und zu informieren, nicht zu
offenbaren und zu predigen, zur Mündigkeit in Sachen Religion zu
erziehen und nicht zur Hörigkeit gegenüber einem alten Aberglauben zu
verleiten, so modern der sich auch geben mag.
(aus: Lüdemann, Gerd: Im Würgegriff der Kirche. Verlag zu Klampen, Springe 1998)
Das äußert er in der felsenfesten Überzeugung, es könne "nur eine Wissenschaft geben [...], die sich mit Religionen der Vergangenheit und Gegenwart beschäftigt" (ibid.). Sein Mitstreiter in Sachen Aufklärung, Michael Schmidt-Salomon (Giordano-Bruno-Stiftung), klärt auf:
An die Stelle der klerikal bevormundeten
theologischen Fakultäten sollten Lüdemann zufolge unabhängig forschende
religionswissenschaftliche Institute treten. Ihre Aufgabe wäre es, den vielfältigen
Glaubensüberzeugungen der Menschen mit der gleichen kritisch-wissenschaftlichen
Unvoreingenommenheit zu begegnen.
(aus: Schmidt-Salomon, Michael: Kirche und Kritik II: Der Fall Lüdemann, in: Materialien und Informationen zur Zeit, 2/2000)
Lüdemann selbst begründet sein Beharren damit, dass es nicht von Nachteil sei, wenn ein Nicht-mehr-Christ an einer konfessionellen theologischen Fakultät unterrichte, denn:
Stimmt der Inhalt des christlichen Glaubens, so können meine in der Überzahl befindlichen Kollegen meinen Irrtum ja zurechtrücken. Stimmt er aber nicht, ist es für die Studierenden nur von Vorteil, rechtzeitig eine Neuorientierung vornehmen zu können.
(aus: Im Würgegriff, a.a.O.)
Die akademische Posse wurde 2008 vom ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts beendet. Der Herr Lüdemann ist zwar Professor geblieben, aber aufgrund seines Sonderstatus' seither der Möglichkeit beraubt, angehenden Pastoren und Religionslehrern durch seine objektiven Erkenntnisse zu einer Neuorientierung zu verhelfen.
Das hält den Herrn Lüdemann allerdings nicht davon ab, sein ganzes Gewicht in die Waagschale zu werfen, sobald sich die Gelegenheit bietet. Sowohl Band I der besagten Jesus-Biographie, die Papst Benedikt ganz bewusst unter seinem bürgerlichen Namen Joseph Ratzinger veröffentlicht hat, als auch den kürzlich erschienenen zweite Band spannte der Herr Lüdemann auf seinen Seziertisch, um mit den Mitteln seiner absolut objektiven und höchst wissenschaftlichen Methodik eine Autopsie vorzunehmen. Eine Methodik, über die Rudolf Walther, selbst kein Freund des Papsttums, in einem anderen Zusammenhang (nämlich dem Medienrummel um die Piusbruderschaft) schrieb:
[...] die Art, wie Lüdemann kritisiert, weist ihn als intellektuell
grobschlächtigen Religionskritiker und Zwillingsbruder der katholischen
Fundamentalisten aus. Denn wie diese, liest auch er die Bibel wörtlich -
freilich nicht, um ihr beizustimmen, sondern um sie "wissenschaftlich"
zu widerlegen. Vom Podest der historisch-kritischen Bibelkritik herab
sieht er das Neue Testament "stark von Antijudaismus geprägt", weil er
die Bibel wie eine historische Quelle liest - oder wie ein Koranschüler
den Koran - und nicht wie eine durch und durch vom Glauben geprägte
Sammlung von Geschichten, Legenden und Gleichnissen. Solche
rustikal-naive Bibelkritik, die sich zu Unrecht "historisch-kritisch"
nennt, übernimmt sich und fällt in einen Selbstwiderspruch, wenn sie
dekretiert: "Die ganze frühchristliche Lehre steht auf tönernen Füßen.
Sie wurzelt in Glauben an die Auferstehung. Diese hat aber nie
stattgefunden." Da fragen sich weniger Eifernde und aufgeklärte
Nicht-Gläubige nur, woher Lüdemann das so genau weiß. Glauben darf er seinen Satz allemal. Aber er war so wenig "Augenzeuge" wie die Evangelisten, denen er genau das vorwirft.
(aus: Der Gott der Vernunft, in: taz vom 16.2.2009)In der Frage, ob man "die Bibel wie eine historische Quelle [...] und nicht wie eine durch und durch vom Glauben geprägte Sammlung von Geschichten, Legenden und Gleichnissen" lesen dürfe oder nicht, werden Rudolf Walther und ich wohl nicht zusammenkommen; denn streng genommen sind alle historischen Quellen von der jeweiligen subjektiven Weltsicht ihrer Verfasser geprägt und somit gibt es keine einzige "echte" (d.h. objektive) historische Quelle, sondern nur historische Quellen mit graduellen Unterschieden in der subjektiven Färbung durch den Autor, die man durch eine systematische hermeneutisch-kritische Betrachtung (unter Berücksichtigung des eigenen historisch bedingten Standpunkts!!!) zumindest bis zu einem gewissen Grad herausarbeiten kann.
Auf den Herrn Lüdemann übertragen heißt das: Der Mann hat die historisch-kritische Methode ad absurdum geführt, indem er seinen eigenen Standpunkt quasi aus eigener Vollmacht als absolut und objektiv setzte. Das allerdings ist zutiefst unwissenschaftlich und entlarvt die für diesen eigenen Standpunkt behauptete "kritisch-wissenschaftliche Unvoreingenommenheit" als exakt jene intellektuelle Grobschlächtigkeit, die Rudolf Walther diagnostizierte.
Der Herr Lüdemann mag wettern, was er will - mehr als die ständige Wiederholung ewig gleichlautender Phrasen kommt dabei nicht herum: dass Jesus, ein rein jüdisch-politischer Messias, gescheitert und am Kreuz gestorben sei, hätten seine Jünger nicht ertragen und somit die Auferstehung halluziniert; Paulus habe aufgrund weiterer Halluzinationen das Christentum erfunden; die Evangelien seien immer wieder den Bedürfnissen des Kirchenapparates angepasste, d.h. gefälschte Versionen früherer, mündlich überlieferter Berichte; die Hälfte der Briefe seien ebenfalls Fälschungen, das ganze Christentum demzufolge nichts als ein "großer Betrug".
Prägnant dazu erwiderte der Herr Lüdemann in einem in der Heiligabendausgabe 2009 erschienenen Interview in der Jungen Welt auf die Frage, ob die Bibel im wesentlichen eine Lügengeschichte sei:
Das kommt auf den Standpunkt an – Lüge heißt ja "bewußte Täuschung". Die
ersten Christen waren sicherlich nicht gebildet genug, um zu wissen,
was sie tun. Für spätere Ausschmückungen – etwa seit dem 2. Jahrhundert–
ist allerdings ist der Begriff "Lüge" durchaus angemessen.
(aus: "Das Wort Lüge ist für die Bibel durchaus angemessen", in: Junge Welt vom 24. 12. 2009, S. 8)
Die vollmundig mit den Worten Benedikts Jesus hat es nie gegeben betitelte Glosse (Frankfurter Rundschau vom 9. 3. 2011) ist ebenso wie ihre Vorgängerin (Eine peinliche Entgleisung, Spiegel online am 26. 4.2007) kaum mehr als eine wiederaufbereitete Kurzversion seines eigenen Buches Das Jesusbild des Papstes.
Eigentlich hat der Herr Lüdemann sich schon mit dem ersten Halbsatz (Hervorhebung von mir) seiner "Buchbesprechung" diese und zugleich sich selbst desavouiert:
Vor knapp vier Jahren veröffentlichte Benedikt XVI. (im Folgenden B.) den ersten Teil seines Buches "Jesus von Nazareth" [...].
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