Posts mit dem Label Laien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Laien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 13. Januar 2012

Nicht zeitgemäß

„Nicht zeitgemäß.“ Diese Aussage trifft die katholische Kirche stets als Vorwurf, als Kritik für angebliche Reformunfähigkeit, als Warnung davor, die Zeichen der Zeit nicht zu erkennen, gesellschaftliche Entwicklungen zu ignorieren und die Anpassung an moderne Strömungen zu verpassen. Und dieser Vorwurf kommt bei weitem nicht nur von außen, sondern - besonders in Deutschland - häufig aus Kreisen der Kirchenmitglieder selbst.

„Nicht zeitgemäß.“ Sollte man - ehe man diesen Vorwurf formuliert – nicht doch einmal nachdenken, was eigentlich Aufgabe der Kirche ist? Was ist ihr innerstes Anliegen, ihr zentrales Thema?

„Nicht zeitgemäß.“ Die Botschaft der Kirche ist von ihrem eigenen Verständnis her nicht irgendeine These, sondern die Wahrheit selbst. Ja, Wahrheit ist ebenfalls ein nicht zeitgemäßer Begriff, denn Wahrheit ist nicht relativ, sondern absolut. Aufgabe der Kirche ist es, diese Wahrheit zu transportieren – über Ländergrenzen hinweg und durch die Jahrhunderte. Es gibt aber in Asien keine andere Wahrheit als in Europa, in Amerika keine andere Wahrheit als in Afrika. Und es gibt im 21. Jahrhundert keine andere Wahrheit als im 18. Jahrhundert, im 12. oder im 8. Jahrhundert und schon gar nicht gibt es eine spezielle Wahrheit im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Kulturen mögen sich unterscheiden und entwickeln, Lebensumstände auch, aber göttliche Wahrheit bleibt Wahrheit.

„Nicht zeitgemäß.“ Ja, richtig, Kirche kann und darf gar nicht zeitgemäß sein, weil jede Form der Anpassung der Botschaft an das Zeitgemäße eine Verzerrung, eine Verfälschung und eine Verwässerung der Wahrheit wäre. Nicht umsonst hat Jesus die Kirche auf Petrus, den Felsen, gebaut, weil die Kirche Fels in der Brandung der Wandlungen des Zeitgemäßen sein muss.

„Nicht zeitgemäß.“ Ja, denn richtig verstanden ist diese Äußerung –selbst wenn als Vorwurf vorgebracht – ein großes Lob!

Und bedenken wir eins: Das Ziel der Botschaft ist die Ewigkeit. Und was auf Zeitlosigkeit abzielt, kann niemals zeitgemäß sein.

Montag, 31. Januar 2011

Si tacuisses ...

Der engagierte Katholik Dr. Norbert Lammert, der kürzlich mit einer Neuübersetzung des Vaterunsers aufwartete, erneuert seine Argumentation wider den Zölibat in der Zeit. Die besorgten Bemühungen, das ohnehin wenig seetauglich erscheinende Schifflein der DBK in diesen Zeiten, die vom Drang zur nahezu bedingungslosen Ökumene und von der Angst um die Zukunft der Seelsorge getrieben sind, mit zu steuern, machen den Eindruck, die Koordinaten des Kurses wiesen auf eine Art "Deutsche Kirche": ein bisschen katholisch (was fürs Herz halt), aber vor allem unheimlich ökumenisch. Denn ohne den offenen Bruch mit Rom wäre den "dringlichen Bitten" nicht nachzugeben, die in einer - man möge mir den separatistisch anmuntenden Ausdruck verzeihen - protestantischen Umgebung typischen Forderungen nach Priesterehe, Priesterinnen etc. zu überdenken.

Ist es denn etwa vermessen, diejenigen, die den Konzilsgeist derart interpretieren, darauf zu verweisen, dass es Konfessionen gibt, mit denen sie vielleicht glücklicher werden als mit der katholischen Kirche? Oder sie zu fragen, wie es denn in solchen Konfessionen um die flächendeckende pastorale Seelsorge und die geistliche (nicht geistige) Verfasstheit ihrer Hirten bestellt ist?

Mit welchem Anspruchsdenken der Herr Lammert und seine MitstreiterInnen auftreten, zeigt sich ja schon in dem wiederholten Hinweis, "vielen Gläubigen" werde "bereits heute ihr Recht auf die sonntägliche Messfeier vorenthalten oder ihr Wunsch unverhältnismäßig erschwert". Lieber Herr Lammert, Sie irren! Es gibt kein "Recht" auf die sonntägliche Messfeier, sondern eine Sonntagspflicht der Christen. Und was die Frage angeht, ob der Messbesuch "unverhältnismäßig erschwert" werde, verweise ich mal auf die Zeit vor dem Dritten Reich, als die Menschen noch weite Wege in Kauf nahmen, um sonntags eine Messe zu hören - vor dem (für den betreffenden Bauunternehmer lukrativen) Kirchenbauboom z.B. im Bistum Essen und der "Priesterschwemme" nach dem Zweiten Weltkrieg.

Nebenbei bemerkt: Heute, im Zeitalter der Mobilität, nehmen manche Gottesdienstbesucher sogar freiwillig unverhältnismäßig weite Wege in Anspruch, um eine bevorzugte Form der Messfeier regelmäßig besuchen zu können oder eine bevorzugte Auslegung durch einen bevorzugten Geistlichen zu hören - ob das nun die außerordentliche Form ist oder liturgischer Tanz mit heilendem Trommeln.

Mir persönlich erscheint es eher höchst populistisch, den Zölibat heranzuziehen, der in der katholischen Kirche (anders als bei buddhistischen Lamas) eine höchst freiwillige Entscheidung ist und damit kein "Zwang". Wenn ich - der Vergleich hinkt selbstverständlich! - als Marketingstratege bei Hertha ("Wenn's um die Wurst geht") arbeiten wollte, sollte ich auch keine überzeugte Vegetarierin sein. ;-)

Man ist verleitet zu sagen, der Deutsche jammere mal wieder auf hohem Niveau, weil die Ansprüche, die der Herr Lammert  als Katholik an die katholische Geistlichkeit hat, nicht so erfüllt werden, wie er es gewohnt war oder gerne hätte. Angesichts eines erodierten Glaubenslebens mit Meditationsrunden, Blindekuh-Katechese, Stuhlkreisen und gestalteten Mitten, mit selbstformulierten Hochgebeten, heilendem Trommeln und liturgischem Tanz - zeitgleich mit einem nahezu völligen Wegfall der Beicht- und Gebetskultur ebenso wie der liturgischen Verbindlichkeit - bleibt eigentlich nur die Hoffnung, dass nachkommende Generationen in ihrem Hunger nach Spiritualität noch Inseln derselben in den deutschsprachigen Kirchenprovinzen vorfinden werden, aus denen eine Erneuerung erfolgen kann.

Schon bei der Rechtschreibreform zeigte sich, dass arg viel Änderung, die eine neunmalkluge Kommission durchsetzte, eine Deformation der Sprache zur Folge hatten. Die Folge der Reformation war - auch wenn man es hierzulande unter dem "Dogma" der Ökumene nicht sagen darf - ein Schisma.