... zum Evangelium am Karfreitag" von Christoph Kardinal Schönborn:
»Das Christentum - eine "Eselei"? Der Apostel Paulus sagt, das Kreuz sei "den Heiden ein Torheit", ein Unsinn, ein Widersinn.
Es stimmt: Was gibt es Widersinnigeres, als dass Menschen andere
Menschen zu Tode quälen? Was gibt es Perverseres als sich möglichst
schreckliche Qualen auszudenken und diese anderen zuzufügen?
Doch was, wenn Gott selber hinabgestiegen ist in die Abgründe von Leid,
Qual und Tod? Wenn er nicht neutral in seinem Himmel geblieben ist,
während wir auf Erden leiden? Was, wenn Gott unser Leid, ja unseren Tod
auf sich genommen hat, um uns daraus zu befreien?«
(Quelle: Christoph Kardinal Schönborn: Gedanken zum Evangelium am Karfreitag, 29. 3. 2013)
Freitag, 29. März 2013
Dienstag, 19. März 2013
Der neue Papst - Erwartungen und Forderungen
Habemus
papam! Wir haben wieder einen neuen Papst – und ja, er ist nicht aus Europa und
er hat sich einen noch nie dagewesen Papstnamen gegeben. Allerorts und
allerseits werden von den Katholiken Erwartungen formuliert und nicht selten
sogar Forderungen. „Ich erwarte mir von dem neuen Papst, dass er …“ oder „Der
Papst muss jetzt …“. So oder so ähnlich fangen viele Sätze an, die man derzeit
hören kann und sie enden häufig mit völlig gegensätzlichen Postulaten und
Hoffnungen.
Dabei gibt
es doch nur eins, was wir vom Papst erwarten dürfen und im Grunde sogar fordern
dürfen: Er möge die Kirche im Geiste des Herrn weitertragen und die Frohe
Botschaft verkünden. Darüber hinaus täten wir gut daran, in demütiger Stille
abzuwarten, welche Erwartungen Papst Franziskus an uns hat, und was er von uns
fordert – nicht umgekehrt. Der Herr wird den Papst führen, so wie er ihn auserwählt hat. Dennoch kann das Pontifikat
nur gelingen, wenn wir als Kirche sein Wirken mit all unserer Kraft
unterstützen. Wenn wir auf Gott vertrauen,
dürfen wir auch auf den Papst vertrauen, ohne Erwartung und ohne Forderung.
Dienstag, 29. Januar 2013
Was die Kirche von Athletic Bilbao lernen kann
Athletic Bilbao ist neben Real Madrid und dem FC Barcelona
der traditionsreichste Fußballverein der Primera Division, dem spanischen Pendant
zur Bundesliga.
Doch wer einmal im Baskenland war, weiß, dass Athletic
Bilbao weit mehr ist als nur ein Fußballverein. Athletic Bilbao vereint die
Basken wahrscheinlich mehr als alles andere: Keine Kneipe ohne Athletic-Flagge,
kein Kleiderschrank ohne Athletic-Trikot, keine zwei Meinungen unter den
Basken, was diesen Club betrifft.
Der Grund dafür ist einfach: Bei Athletic Bilbao spielen
ausschließlich Basken. Darauf begründet sich das identitätsstiftende Momentum
des Clubs.
Dabei beschert diese Regelung dem Verein viele Probleme und
vielleicht müsste der Verein nicht die meisten Jahre gegen den Abstieg kämpfen,
wenn man starke Spieler aus anderen Teilen des Landes oder der ganzen Welt
kaufen würde. Das Geld dafür wäre da.
Wäre es nicht toll, wenn man mit besseren Spielern
vielleicht nach vielen, vielen Jahren einmal wieder mit um die Meisterschaft
spielen könnte?
Die Verlockung ist groß, aber der Verein widersteht. Und das
erhält Athletic Bilbao auf Dauer seine Größe. Würde man in der Hoffnung auf
kurzfristigen Erfolg der Versuchung nachgeben und altbewährte Traditionen über
Bord werfen, nur weil sie momentan unbequem sind, würde Athletic Bilbao damit sein Herz verlieren, es würde
seine Seele verkaufen – und der Club wäre nie mehr das, was er heute ist –
nämlich viel mehr als ein Verein.
Dienstag, 26. Juni 2012
Neues geistliches Liedgut (NGL) – ist gut gemeint auch gut?
Neues geistliches
Liedgut (NGL) – ist gut gemeint auch
gut?
Kürzlich habe ich – zugegebenermaßen recht flapsig – auf
Facebook ein kurzes Statement abgegeben:
Heute Firmungsmesse
... mit Neuem Geistlosen Liedgut ... Mann ist mir schlecht!
und habe dafür von einem alten Schulfreund, der als
Pastoralreferent tätig ist, folgende Erwiderung erhalten:
„Was
gefällt Dir dran nicht? Willst du die letzten Jugendlichen auch noch aus der
Kirche ekeln?“
Ich will diese Frage gerne
beantworten – ganz allgemein – und im Besonderen als Zeichen meiner
persönlichen Wertschätzung:
Der Beitrag ist also an alle
gerichtet, wenn auch ganz persönlich an Stefan adressiert.
Lieber Stefan,
es ist tatsächlich so, dass ich bei
meinem Posting an Dich gedacht hatte und ich ahnte, dass Dir das nicht gefallen
würde. Aber ich wollte Dich sicher nicht kränken, wollte aber ebenso aus meinem
Herzen keine Mördergrube machen: Es musste raus!
Was mir an NGL nicht gefällt? Ich
könnte es mir leicht machen und sagen: An NGL gefällt mir einfach gar nichts,
aber das wäre eine Antwort, die nichts aussagt. Ja, es wäre sogar eine Antwort,
die der Vermutung Raum gäbe, es ginge mir hier nur um meinen persönlichen
Geschmack. Dem aber ist nicht so!
Mit Deiner zweiten Frage stellst Du
klar, warum Dir NGL gefällt – ebenfalls unabhängig von Deinem persönlichen
Geschmack. Du bist offensichtlich der Überzeugung, dass man mittels NGL
Jugendliche in die Kirche bringen, bzw. in der Kirche halten kann. Und Du
befürchtest gar, dass man sie ohne NGL verlieren würde. Wenn Du NGL als Musik
für Jugendliche ansiehst, dann frage ich mich, von welchen Jugendlichen du
sprichst? Von den Jugendlichen, die wie wir beide Mitte 50 sind? Oder von den
Jugendlichen, die zehn Jahre jünger oder zehn Jahre älter sind als wir? NGL verkörpert
den Zeitgeist von vor 35 Jahren, nicht den heutigen.
Und ebenso lange wird das Experiment
„Mit NGL Jugendliche ansprechen“ erprobt und man muss es mittlerweile als
gescheitert ansehen. Hat NGL dazu geführt, dass die Zahl der jugendlichen
Kirchenbesucher steigt? Nein! Ist es in
den letzten Jahren gelungen, in nennenswerten Zahlen Erwachsene dauerhaft an
die Kirche zu binden, weil man sie als Jugendliche mit NGL in die Kirche
gezogen hat? Ebenfalls nein! Entspringen
dem NGL und der damit verbundenen besonderen Form der Romantik eine Vielzahl
von poriesterlichen Berufungen? Wohl kaum!
Menschen - und junge Menschen im
Besonderen - suchen nach Religiosität, weil sie in einer Welt voller
Beliebigkeit etwas Verbindliches haben wollen, weil sie Leitlinien für ihr Leben
brauchen, weil sie Orientierung benötigen in einer Welt voller Verlockungen,
Verführungen und falscher Versprechungen. Das Absingen harmloser Lieder ist da
wenig hilfreich. Es kann doch nicht sein, dass wir so tun, als hätten wir für
jungen Menschen nicht mehr zu bieten als ein paar neu getextete Musicalsongs, wo
wir doch vom Herrn eine unerhört starke Botschaft erhalten haben, die alles
enthält, was ein junger Mensch für sein Leben braucht.
NGL ist denkbar ungeeignet, um
Jugendliche wirklich für die Kirche
und die Frohe Botschaft zu gewinnen, weil NGL vom Eigentlichen ablenkt.
Jugendliche wollen ernst genommen werden, sie wollen etwas über den Sinn des
Lebens wissen
Es ist sicher kein Zufall, dass in
einem Umfeld religiösen Niedergangs das Kloster Heiligkreuz bei Wien starken
Zulauf hat. Dort geht es streng zu und Messen werden in Latein gefeiert. Ja,
und die Mönche von Heiligkreuz singen und ihre CDs verkaufen sich in aller
Welt! Aber sie singen gregorianische Choräle und nicht NGL.
Um die Tiefen des Glaubens
auszuloten sind seichte Lieder schwerlich das Mittel der Wahl.
In aufrichtiger freundschaftlicher
Verbundenheit
Helmut
Montag, 16. April 2012
Sonntag, 8. April 2012
Frohe Ostern!
Christus resurrexit - alleluia!
Wir wünschen allen Mitlesenden ein frohes und gesegnetes Osterfest!
(Bild: Wandgemälde in der Chora-Kirche, Istanbul, Türkei)
Dienstag, 3. April 2012
Kalter Kaffee
Die Beichte gilt als die schwierigste Christenpflicht. Oft wird sie rundweg abgelehnt, für sinnlos oder überflüssig erklärt. Immerhin ist es ja so, dass man durch das Sakrament der Versöhnung zwar von allen früheren Sünden, die man eingestanden hat und bereut, losgesprochen wird, was allerdings noch lange nicht heißt, dass man nie wieder sündigen würde. Schließlich ist man Mensch, und Menschen machen Fehler, ständig.
Außerdem sei es doch peinlich, jemandem zu erzählen, was man ausgefressen hat. Das könne man mit dem Herrn doch genauso gut ganz alleine ausmachen, ohne sich vor einem anderen Menschen demütigen zu müssen. Die Beichte sei schlicht und einfach kalter Kaffee!
Kalter Kaffee? Gutes Bild! Denn mit der Beichte, dem Sakrament der Versöhnung verhält es sich genauso wie mit Kaffee. Spätestens wenn man sich eine frische Kanne Kaffee aufbrühen will, wird besagte Kanne geleert, gründlich ausgespült und vorgewärmt, ehe neuer Kaffee eingefüllt wird. Denn sonst würde sich immer wieder frischer heißer Kaffee mit abgestandenem kaltem mischen, wobei der Anteil des letzteren immer größer würde. Am Ende wüsste man gar nicht mehr, wie frischer Kaffee eigentlich schmeckt und hielte mangels Vergleichsmöglichkeit die fade, laue Brühe für den Gipfel des Genusses.
Und was das Gegenüber angeht: Das Beichtgeheimnis gilt - allen juristischen Bemühungen, es zu zerstören, zum Trotz! - absolut. Selbstverständlich ist es eine Frage des Vertrauens - und eine Frage des Mutes, zu seinen Schwierigkeiten und Fehlern zu stehen und gegenüber einem Menschen, der Christi Stelle vertritt, selbige einzuräumen. Es mag leichter erscheinen, das mit sich selbst und einem Jesusbildchen auszumachen - aber wie leicht belügt man sich dabei, mogelt, beschönigt, spielt Arges herunter oder bläht Unwichtiges auf? Der Priester ist auch ein Korrektiv. Seine Gegenwart verhindert, dass die Reflexion über die eigenen Fehler zwischen Eingeständnis, Erklärungen, Entschuldigungen und Selbstbezichtigungen irregeht. Ebenso wie der geschützte Raum (sei es Beichtstuhl, sei es Beichtzimmer), die brennende Kerze, die Stola, die vertrauten Gesten, die in ihrer Kombination auch Vertrauen schaffen.
Letztendlich schmeckt nur wirklich frischer heißer Kaffee aus einer sauberen, vorgewärmten Kanne richtig gut!
Außerdem sei es doch peinlich, jemandem zu erzählen, was man ausgefressen hat. Das könne man mit dem Herrn doch genauso gut ganz alleine ausmachen, ohne sich vor einem anderen Menschen demütigen zu müssen. Die Beichte sei schlicht und einfach kalter Kaffee!
Kalter Kaffee? Gutes Bild! Denn mit der Beichte, dem Sakrament der Versöhnung verhält es sich genauso wie mit Kaffee. Spätestens wenn man sich eine frische Kanne Kaffee aufbrühen will, wird besagte Kanne geleert, gründlich ausgespült und vorgewärmt, ehe neuer Kaffee eingefüllt wird. Denn sonst würde sich immer wieder frischer heißer Kaffee mit abgestandenem kaltem mischen, wobei der Anteil des letzteren immer größer würde. Am Ende wüsste man gar nicht mehr, wie frischer Kaffee eigentlich schmeckt und hielte mangels Vergleichsmöglichkeit die fade, laue Brühe für den Gipfel des Genusses.
Und was das Gegenüber angeht: Das Beichtgeheimnis gilt - allen juristischen Bemühungen, es zu zerstören, zum Trotz! - absolut. Selbstverständlich ist es eine Frage des Vertrauens - und eine Frage des Mutes, zu seinen Schwierigkeiten und Fehlern zu stehen und gegenüber einem Menschen, der Christi Stelle vertritt, selbige einzuräumen. Es mag leichter erscheinen, das mit sich selbst und einem Jesusbildchen auszumachen - aber wie leicht belügt man sich dabei, mogelt, beschönigt, spielt Arges herunter oder bläht Unwichtiges auf? Der Priester ist auch ein Korrektiv. Seine Gegenwart verhindert, dass die Reflexion über die eigenen Fehler zwischen Eingeständnis, Erklärungen, Entschuldigungen und Selbstbezichtigungen irregeht. Ebenso wie der geschützte Raum (sei es Beichtstuhl, sei es Beichtzimmer), die brennende Kerze, die Stola, die vertrauten Gesten, die in ihrer Kombination auch Vertrauen schaffen.
Letztendlich schmeckt nur wirklich frischer heißer Kaffee aus einer sauberen, vorgewärmten Kanne richtig gut!
Dienstag, 7. Februar 2012
Ökumene im Geist des 2. Vaticanums
Die Forderungen, wie „echte“ Ökumene auszusehen habe, sind mannigfaltig. Dabei will ich mich heute nicht mit den Forderungen und Erwartungen beschäftigen, die von unseren evangelischen Brüdern und Schwestern kommen. Mich interessieren mehr unsere katholischen Mitgläubigen. Oft höre ich von ihnen, dass wir rascher in der Ökumene vorankämen, wenn der „Geist des 2. Vaticanums“ endlich mit Leben gefüllt würde. Grund genug für mich, einmal nachzublättern, von welchem Geist wir da eigentlich sprechen.
Unter dem Titel UNITATIS REDINTEGRATIO hat das 2. Vatikanische Konzil ein eigenes Dekret zum Thema „Ökumenismus“, wie es dort heißt, verfasst. Und dieses Dekret beginnt verheißungsvoll: „Die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen ist eine der Hauptaufgaben des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils.“
Der Einstieg zeugt also davon, welche große Bedeutung das 2. Vaticanum der Ökumene schenkt. Wer aber nun glaubt, dass anschließend alle Mauern eingerissen und der Gleichmacherei Tür und Tor geöffnet würden, muss rasch erkennen, dass dem nicht so ist.
Im Dekret wird ausführlich dargelegt, welches „Die katholischen Prinzipien des Ökumenismus“ sind.
Das Dekret lässt keinen Zweifel, dass es nach Auffassung der katholischen Kirche Christi Wille sei, dass die Bischöfe die Nachfolger der Apostel und die Päpste die Nachfolger des Petrus sind. „Jesus Christus will, daß sein Volk durch die gläubige Predigt des Evangeliums und die Verwaltung der Sakramente durch die Apostel und durch ihre Nachfolger, die Bischöfe mit dem Nachfolger Petri als Haupt, sowie durch ihre Leitung in Liebe unter der Wirksamkeit des Heiligen Geistes wachse …“ heißt es in dem Text.
Das Dekret bestreitet nicht, dass es bei den Trennungen der Kirchen Schuld auf allen Seiten gab und es betont die Schmerzhaftigkeit der Trennung. Es erweist den Getrennten auch die Ehre und weist daraufhin, dass sie zu Recht den „Ehrennamen Christen“ tragen können und fordert auf, sie als „Brüder im Herrn“ anzuerkennen.
Das bedeutet aber keinesfalls, dass damit die abweichenden Lehren als gleichberechtigt anerkannt würden. Zwar wird das ehrenhafte Streben nach der christlichen Wahrheit anerkannt, aber dennoch wird unmissverständlich ausgedrückt, dass allein die katholische Kirche im Besitz der „Güter des Neuen Bundes“ sei. So heißt es: „Denn einzig dem Apostelkollegium, an dessen Spitze Petrus steht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren, welchem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören“.
Das bedeutet nicht nur, dass das 2. Vaticanum die Überzeugung zum Ausdruck gebracht hat, dass allein der katholischen Kirche „alle Güter des Neuen Bundes anvertraut“ worden sind, sondern dass das Ziel der Ökumene aus katholischer Sicht sein muss, alle Abgespalteten wieder in die katholische Kirche einzugliedern. Dies stellt eine Forderung dar, für die jeder heute als erzkonservativ bezeichnet würde, insbesondere von denen, die immer wieder den „Geist des 2. Vaticanums“ einfordern. Aber das 2. Vaticanum war eine Versammlung ernsthafter um das Wohl der Kirche besorgter Theologen, die sehr intensiv darüber nachgedacht haben, was sie als Willen Christi ansehen.
Im Weiteren wird u.a. ausgeführt, dass die Ostkirchen nur geringe Abweichungen aufwiesen, zumal sie ebenfalls „wahre Sakramente besitzen“. Es wird sogar darauf verwiesen, dass die römisch-katholische Kirche manches aus den Ostkirchen als Bereicherung ansehen könnte.
Die Ökumene mit den protestantischen Abspaltungen aber wird wesentlich kritischer betrachtet. So heißt es: „Dabei muß jedoch anerkannt werden, daß es zwischen diesen Kirchen und Gemeinschaften und der katholischen Kirche Unterschiede von großem Gewicht gibt, nicht nur in historischer, soziologischer, psychologischer und kultureller Beziehung, sondern vor allem in der Interpretation der offenbarten Wahrheit.“
Selbstverständlich wird auch den Protestanten der Wille zu einem Leben in christlicher Tugend zugesprochen, aber der Mangel an Sakramenten und insbesondere die Ablehnung der Nachfolge der Apostel und Petri werden als große Diskrepanz gesehen.
Dennoch mahnt das Dekret zu fortwährenden Bemühungen um die Ökumene, es gibt aber auch klare Richtlinien vor: „Das Heilige Konzil mahnt die Gläubigen, jede Leichtfertigkeit wie auch jeden unklugen Eifer zu meiden, die dem wahren Fortschritt der Einheit nur schaden können, Ihre ökumenische Betätigung muß ganz und echt katholisch sein, das heißt in Treue zur Wahrheit, die wir von den Aposteln und den Vätern empfangen haben, und in Übereinstimmung mit dem Glauben, den die katholische Kirche immer bekannt hat.“
Diese Ausführungen lassen für den Reform(un)geist unserer Tage keinen Raum und geradezu absurd wird es, wenn sich die Reformer auf den „Geist des 2. Vaticanums“ berufen, denn dieser Geist ist kompromisslos katholisch.
Unter dem Titel UNITATIS REDINTEGRATIO hat das 2. Vatikanische Konzil ein eigenes Dekret zum Thema „Ökumenismus“, wie es dort heißt, verfasst. Und dieses Dekret beginnt verheißungsvoll: „Die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen ist eine der Hauptaufgaben des Heiligen Ökumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils.“
Der Einstieg zeugt also davon, welche große Bedeutung das 2. Vaticanum der Ökumene schenkt. Wer aber nun glaubt, dass anschließend alle Mauern eingerissen und der Gleichmacherei Tür und Tor geöffnet würden, muss rasch erkennen, dass dem nicht so ist.
Im Dekret wird ausführlich dargelegt, welches „Die katholischen Prinzipien des Ökumenismus“ sind.
Das Dekret lässt keinen Zweifel, dass es nach Auffassung der katholischen Kirche Christi Wille sei, dass die Bischöfe die Nachfolger der Apostel und die Päpste die Nachfolger des Petrus sind. „Jesus Christus will, daß sein Volk durch die gläubige Predigt des Evangeliums und die Verwaltung der Sakramente durch die Apostel und durch ihre Nachfolger, die Bischöfe mit dem Nachfolger Petri als Haupt, sowie durch ihre Leitung in Liebe unter der Wirksamkeit des Heiligen Geistes wachse …“ heißt es in dem Text.
Das Dekret bestreitet nicht, dass es bei den Trennungen der Kirchen Schuld auf allen Seiten gab und es betont die Schmerzhaftigkeit der Trennung. Es erweist den Getrennten auch die Ehre und weist daraufhin, dass sie zu Recht den „Ehrennamen Christen“ tragen können und fordert auf, sie als „Brüder im Herrn“ anzuerkennen.
Das bedeutet aber keinesfalls, dass damit die abweichenden Lehren als gleichberechtigt anerkannt würden. Zwar wird das ehrenhafte Streben nach der christlichen Wahrheit anerkannt, aber dennoch wird unmissverständlich ausgedrückt, dass allein die katholische Kirche im Besitz der „Güter des Neuen Bundes“ sei. So heißt es: „Denn einzig dem Apostelkollegium, an dessen Spitze Petrus steht, hat der Herr, so glauben wir, alle Güter des Neuen Bundes anvertraut, um den einen Leib Christi auf Erden zu konstituieren, welchem alle völlig eingegliedert werden müssen, die schon auf irgendeine Weise zum Volke Gottes gehören“.
Das bedeutet nicht nur, dass das 2. Vaticanum die Überzeugung zum Ausdruck gebracht hat, dass allein der katholischen Kirche „alle Güter des Neuen Bundes anvertraut“ worden sind, sondern dass das Ziel der Ökumene aus katholischer Sicht sein muss, alle Abgespalteten wieder in die katholische Kirche einzugliedern. Dies stellt eine Forderung dar, für die jeder heute als erzkonservativ bezeichnet würde, insbesondere von denen, die immer wieder den „Geist des 2. Vaticanums“ einfordern. Aber das 2. Vaticanum war eine Versammlung ernsthafter um das Wohl der Kirche besorgter Theologen, die sehr intensiv darüber nachgedacht haben, was sie als Willen Christi ansehen.
Im Weiteren wird u.a. ausgeführt, dass die Ostkirchen nur geringe Abweichungen aufwiesen, zumal sie ebenfalls „wahre Sakramente besitzen“. Es wird sogar darauf verwiesen, dass die römisch-katholische Kirche manches aus den Ostkirchen als Bereicherung ansehen könnte.
Die Ökumene mit den protestantischen Abspaltungen aber wird wesentlich kritischer betrachtet. So heißt es: „Dabei muß jedoch anerkannt werden, daß es zwischen diesen Kirchen und Gemeinschaften und der katholischen Kirche Unterschiede von großem Gewicht gibt, nicht nur in historischer, soziologischer, psychologischer und kultureller Beziehung, sondern vor allem in der Interpretation der offenbarten Wahrheit.“
Selbstverständlich wird auch den Protestanten der Wille zu einem Leben in christlicher Tugend zugesprochen, aber der Mangel an Sakramenten und insbesondere die Ablehnung der Nachfolge der Apostel und Petri werden als große Diskrepanz gesehen.
Dennoch mahnt das Dekret zu fortwährenden Bemühungen um die Ökumene, es gibt aber auch klare Richtlinien vor: „Das Heilige Konzil mahnt die Gläubigen, jede Leichtfertigkeit wie auch jeden unklugen Eifer zu meiden, die dem wahren Fortschritt der Einheit nur schaden können, Ihre ökumenische Betätigung muß ganz und echt katholisch sein, das heißt in Treue zur Wahrheit, die wir von den Aposteln und den Vätern empfangen haben, und in Übereinstimmung mit dem Glauben, den die katholische Kirche immer bekannt hat.“
Diese Ausführungen lassen für den Reform(un)geist unserer Tage keinen Raum und geradezu absurd wird es, wenn sich die Reformer auf den „Geist des 2. Vaticanums“ berufen, denn dieser Geist ist kompromisslos katholisch.
Freitag, 13. Januar 2012
Nicht zeitgemäß
„Nicht zeitgemäß.“ Diese Aussage trifft die katholische Kirche stets als Vorwurf, als Kritik für angebliche Reformunfähigkeit, als Warnung davor, die Zeichen der Zeit nicht zu erkennen, gesellschaftliche Entwicklungen zu ignorieren und die Anpassung an moderne Strömungen zu verpassen. Und dieser Vorwurf kommt bei weitem nicht nur von außen, sondern - besonders in Deutschland - häufig aus Kreisen der Kirchenmitglieder selbst.
„Nicht zeitgemäß.“ Sollte man - ehe man diesen Vorwurf formuliert – nicht doch einmal nachdenken, was eigentlich Aufgabe der Kirche ist? Was ist ihr innerstes Anliegen, ihr zentrales Thema?
„Nicht zeitgemäß.“ Die Botschaft der Kirche ist von ihrem eigenen Verständnis her nicht irgendeine These, sondern die Wahrheit selbst. Ja, Wahrheit ist ebenfalls ein nicht zeitgemäßer Begriff, denn Wahrheit ist nicht relativ, sondern absolut. Aufgabe der Kirche ist es, diese Wahrheit zu transportieren – über Ländergrenzen hinweg und durch die Jahrhunderte. Es gibt aber in Asien keine andere Wahrheit als in Europa, in Amerika keine andere Wahrheit als in Afrika. Und es gibt im 21. Jahrhundert keine andere Wahrheit als im 18. Jahrhundert, im 12. oder im 8. Jahrhundert und schon gar nicht gibt es eine spezielle Wahrheit im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Kulturen mögen sich unterscheiden und entwickeln, Lebensumstände auch, aber göttliche Wahrheit bleibt Wahrheit.
„Nicht zeitgemäß.“ Ja, richtig, Kirche kann und darf gar nicht zeitgemäß sein, weil jede Form der Anpassung der Botschaft an das Zeitgemäße eine Verzerrung, eine Verfälschung und eine Verwässerung der Wahrheit wäre. Nicht umsonst hat Jesus die Kirche auf Petrus, den Felsen, gebaut, weil die Kirche Fels in der Brandung der Wandlungen des Zeitgemäßen sein muss.
„Nicht zeitgemäß.“ Ja, denn richtig verstanden ist diese Äußerung –selbst wenn als Vorwurf vorgebracht – ein großes Lob!
Und bedenken wir eins: Das Ziel der Botschaft ist die Ewigkeit. Und was auf Zeitlosigkeit abzielt, kann niemals zeitgemäß sein.
„Nicht zeitgemäß.“ Sollte man - ehe man diesen Vorwurf formuliert – nicht doch einmal nachdenken, was eigentlich Aufgabe der Kirche ist? Was ist ihr innerstes Anliegen, ihr zentrales Thema?
„Nicht zeitgemäß.“ Die Botschaft der Kirche ist von ihrem eigenen Verständnis her nicht irgendeine These, sondern die Wahrheit selbst. Ja, Wahrheit ist ebenfalls ein nicht zeitgemäßer Begriff, denn Wahrheit ist nicht relativ, sondern absolut. Aufgabe der Kirche ist es, diese Wahrheit zu transportieren – über Ländergrenzen hinweg und durch die Jahrhunderte. Es gibt aber in Asien keine andere Wahrheit als in Europa, in Amerika keine andere Wahrheit als in Afrika. Und es gibt im 21. Jahrhundert keine andere Wahrheit als im 18. Jahrhundert, im 12. oder im 8. Jahrhundert und schon gar nicht gibt es eine spezielle Wahrheit im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Kulturen mögen sich unterscheiden und entwickeln, Lebensumstände auch, aber göttliche Wahrheit bleibt Wahrheit.
„Nicht zeitgemäß.“ Ja, richtig, Kirche kann und darf gar nicht zeitgemäß sein, weil jede Form der Anpassung der Botschaft an das Zeitgemäße eine Verzerrung, eine Verfälschung und eine Verwässerung der Wahrheit wäre. Nicht umsonst hat Jesus die Kirche auf Petrus, den Felsen, gebaut, weil die Kirche Fels in der Brandung der Wandlungen des Zeitgemäßen sein muss.
„Nicht zeitgemäß.“ Ja, denn richtig verstanden ist diese Äußerung –selbst wenn als Vorwurf vorgebracht – ein großes Lob!
Und bedenken wir eins: Das Ziel der Botschaft ist die Ewigkeit. Und was auf Zeitlosigkeit abzielt, kann niemals zeitgemäß sein.
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